Wie du als Freiberufler das Ja-Sager-Syndrom charmant bekämpfst

Schon wieder Ja gesagt. Schon wieder einen Auftrag angenommen, obwohl man bereits bis zum Hals in der Arbeit steckt und eigentlich so gar keine Zeit hat? Erneut dem Kollegen aus der Patsche geholfen, weil er einen ganz wichtigen Termin hat?

Das Ja sagen fällt uns allen so unheimlich leicht. Es ist ja auch nett, wenn man sich hilfsbereit zeigt und immer für jeden da ist. Der Sympathie-Faktor kann dadurch steigen, der eigene Stress aber auch. Um in Zukunft als Freiberuflerin auf eine charmante Art und Weise Nein sagen zu können, zeige ich dir ein paar Alternativen, mit denen du den eigenen Stress minimierst und dennoch den Sympathie-Faktor auf deiner Seite behältst!


Woran du erkennst, dass du das Ja-Sager-Syndrom in dir trägst

Es sind meist nur Kleinigkeiten im Alltag, die jedoch dazu führen, dass man mit dem Ja-Sager-Syndrom in eine unangenehme Situation gerät. Ja sagen führt immer zu einem Aufwand, egal ob es sich um das kurzfristige Verfassen eines Briefes für den Kunden handelt oder das Handy während der Arbeitsphase klingelt – du einzig und allein machst dich zu deinem eigenen Sklaven. An folgenden Beispielen wirst du erkennen können, ob du auch zu den obligatorischen Ja-Sagern gehörst:

Du stellst das Telefon, das Handy oder die Benachrichtigungsfunktion auf dem Desktop während einer wichtigen Arbeitsphase nicht aus

Es könnte ein wichtiger Anruf kommen oder eine Nachricht eines potentiellen neuen Kunden. Egal was kommen könnte: Du musst als typischer Ja-Sager nicht sofort springen und parat stehen. Das verlangt niemand von dir – nur du selbst!

Du hast den Auftrag angenommen, obwohl du absolut keine Zeit hast

Das ist wohl der typischste Fall im Leben als Freiberuflerin. Bloß nicht Nein sagen, der Kunde könnte ja verärgert sein oder sich einen neuen Freelancer suchen.

Erst die Arbeit, dann die Arbeit und dann, ach ja, das war ja auch noch zu tun

Arbeiten als Freiberufler ist nicht immer einfach. Schlechte Auftragsphasen, zu wenig Verdienst. Zum Arbeitstier werden ist nicht schlimm, aber muss einen Ausgleich haben. Stell nicht immer die Arbeit in den Vordergrund, sondern denke auch mal an dich. So wie du deine Termine in den Kalender einträgst, solltest du auch deine Erholungsphasen planen!

Der Satz „Ohne dich schaffe ich es nicht!“ ist schon Standard für dich

Das Ja-Sager-Syndrom wird gern ausgenutzt. Es wird an die Hilfsbereitschaft appelliert und das meist auch noch mit Erfolg. So sehr man sich manchmal auch geehrt fühlen darf, nicht immer steckt wirklich so viel Verzweiflung hinter diesem Satz!

Dein Privatleben leidet unter deinem Ja-Sager-Syndrom

Um alles zu schaffen machst du Überstunden in deinem Home Office. Arbeitest bis spät in die Nacht oder stehst am Morgen extra früh auf. Für deinen Partner oder Freunde hast du immer seltener Zeit und die Arbeit ist dein einziges Argument für eine erneute Absage zum Dinner. Das hier gewaltig etwas schief läuft, merkst du vermutlich selbst, oder?

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Wie du charmant als Freiberuflern nein sagen kannst, ohne Kunden oder Kollegen zu verärgern

Kunden oder Freiberufler-Kollegen zu verärgern ist definitiv nicht das, was wir wollen. Letztendlich haben wir uns unser Freiberufler-Business mühevoll aufgebaut! Nachfolgend daher ein paar charmante Tricks, wie du Nein sagen kannst, ohne dass du ein schlechtes Gewissen haben musst:

Höflich und ruhig bleiben

Egal was passiert oder wie unangenehm der Gegenüber im Zweifel wird: Bleib höflich, immer! So nimmst du nicht nur den Wind aus den Segeln, sondern sorgst dafür, dass du weiterhin als Respekt-Person wahrgenommen wirst. Vielleicht kennst du den Satz „Wer zuerst schreit, hat verloren!“? Da ist viel Wahres dran!

Charmante Alternative anbieten

Wenn du nur aktuell keine Kapazitäten für den Auftrag deines Kunden hast, dann frage ihn doch, ob es ihm ausreicht, wenn du erst in zwei Wochen/nächsten Monat (wann auch immer du Zeit hast) den Auftrag erledigst.

Ich biete meinen Kunden immer an: „Wenn es dringend ist, empfehle ich Ihnen bei einem anderen Freelancer nachzufragen. Reicht Ihnen die Erstellung des Textes aber bis Mitte nächsten Monats, nehme ich den Auftrag sehr gern an!“

Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass meist doch mehr Zeit für die Erledigung von gewissen Aufträgen ist, als der Kunde im ersten Moment suggeriert hat. Letztendlich weiß er auch, was er an dir hat und welche Qualität du lieferst – oft zählt dies mehr als eine schnelle Erledigung!

Wichtig: Mache keine leeren Versprechungen! Wenn eine Alternative anbietest, musst du diese auch einhalten können!

Bitte um Bedenkzeit

Du weißt selbst nicht, ob du alles zeitlich unter einen Hut bekommst? Musst vielleicht sogar noch private Punkte klären, welche Einfluss auf dein Zeitmanagement haben? Dann bitte bei deinem Kunden um kurze Bedenkzeit. „Ich schaue gern nach, ob ich an Tag X am Meeting teilnehmen kann. Kann ich Sie hierzu morgen zurückrufen?“

Rechtfertige dich nicht, begründe deine Entscheidung aber

Kannst du einem Kunden unmöglich zusagen, begründe deine Entscheidung kurz, aber rechtfertige dich nicht. Es ist Fakt: Manchmal gehen andere Dinge eben vor. Dies betrifft nicht nur das Privatleben, sondern auch berufliche Punkte. Manche Aufgaben müssen vielleicht einfach dringend erledigt werden, da ist eine Absage unumgänglich. „Ich würde sehr gern helfen/übernehmen, aber ich habe aktuell einfach keine freien Kapazitäten für neue Aufträge!“ Ehrlich und auf den Punkt, das reicht!

Bedanke dich am Ende für das Verständnis vom Kunden

Am Ende solltest du dich unbedingt für das Verständnis bedanken, so bleibst du positiv (trotz Nein) im Gedächtnis. Je nach Situation kannst du deinem Kunden auch entgegen kommen, indem du ihm anbietest, dich zu melden, sobald du wieder Kapazitäten frei hast! So schlägst du zwei Fliegen mit einer Klappe: Du hältst dir bei diesem Kunden die Tür offen und verrätst nicht in Vergessenheit!


Das Ja-Sager-Syndrom bekämpfen oder: Selbstdisziplin ist alles!

Mache dir bewusst, was passiert, wenn du Nein sagst. Du wirst nicht alle Welt gegen dich aufhetzen, sondern einfach nur gerade diesen einen Auftrag nicht annehmen. Natürlich geht dir auch das Geld durch die Lappen, aber es hat doch einen Grund, warum du Nein gesagt hast – und dieser ist doch wichtiger!

Sei gut zu dir selbst und gönne dir Pausen. Arbeite in entspannter Atmosphäre und schalte Handy und Telefon auf stumm, um in aller Ruhe arbeiten zu können. Mach dich nicht zum Sklaven deines E-Mail-Accounts. Wenn du diesen zweimal am Tag bearbeitest, reicht das vollkommen aus. Ich persönlich würde mich sogar irgendwann wundern, wenn man mir immer direkt zurück schreibt. Hat der auf der anderen Seite nichts zu tun?

Disziplin brauchen wir als Freiberufler. Ohne Frage! Und das gilt besonders für alle, die das Ja-Sager-Syndrom in sich haben. Ich spreche aus eigener Erfahrung. Es allen recht machen zu wollen und alles anzunehmen führte bei mir dazu, dass ich so überarbeitet war, dass nicht nur mein Kopf mir den Dienst quittierte, sondern ich zudem noch eine heftige Sehnenscheiden-Entzündung bekam. Am Ende musste ich alles absagen – und das war echt blöd und hätte durch konsequente Selektion meiner Aufträge und entsprechenden Ablehnungen verhindert werden können!

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Übrigens sollte man auch im privaten Umfeld Nein sagen! Das Argument, dass man als Freiberufler ständig zu Hause ist (Home Office) ist zwar absolut richtig, dennoch heißt es nicht, dass sich die beste Freundin nun täglich zum Kaffee trinken einladen und dich die Oma dreimal am Tag für eine halbe Stunde am Telefon über den neuesten Klatsch aus der Nachbarschaft informieren muss!


Was passiert, wenn du das Ja-Sager-Syndrom nicht ab und zu in die Schranken weist

Immer nur Ja zu sagen führt irgendwann dazu, dass du für jeden alles tust und du selbst dabei auf der Strecke bleibst. Von Burnout wollen wir noch gar nicht einmal reden, aber immer zu allem Ja zu sagen, macht auf Dauer einfach unzufrieden. Man macht sich selbst zum Sklaven für andere und glaube mir: so etwas wird verdammt gern ausgenutzt.

Du bist der Herr über dein eigenes Business. Bist dein eigener Boss. Und wenn du immer nur Ja sagst, dann nehmen dich die Leute irgendwann gar nicht mehr ernst. Wer als Chef stets Ja sagt, schadet damit auf Dauer seinem Unternehmen – auch als Einzelkämpfer.

Du bist irgendwann überarbeitet, frustriert, genervt, müde. Verlierst den Spaß an der Arbeit, hast keine Lust mehr und erledigst deine Auftragsarbeiten nur noch halbherzig – und dann bist du irgendwann weg vom Fenster. Ein Weg, den leider immer wieder Freiberufler beschreiten, die denken, sie müssen immer Ja sagen.


Wann ist es besonders wichtig, dass Nein sagen zu müssen?

Manchmal ist ein klares Nein absolut wichtig. So zum Beispiel auch in folgenden Fällen:

Wenn eigene Projekte im Vordergrund stehen

Eigentlich ist dieser Job wichtig und das Geld könnte man auch mitnehmen. Naja, verschieben wir das eigene Projekt mal nach hinten. Irgendwann wird sich schon die passende Zeit dafür finden lassen… Wenn es um eigene Projekte geht, sollte man zu sich selbst ehrlich sein und abwägen, ob das eigene Projekt auf Dauer nicht vielleicht wirklich wichtiger ist als dieser eine Kundenauftrag!

Du baust deine Website aus, um in Zukunft nicht mehr selbst Akquise betreiben zu müssen und zudem bessere Bezahlungen kassieren zu können? Das wäre ein Projekt, welches durchaus nicht unwichtig ist.

Wenn die Gesundheit gefährdet wird

Auch sollte man Nein sagen, wenn die eigene Gesundheit auf dem Spiel steht. Krank am Schreibtisch sitzen, kommt bei nahezu jedem Freiberufler mal vor. Bis zu einem gewissen Grad (bei Schnupfen beispielsweise) auch in Ordnung. Aber bei einer echten Grippe mit Fieber oder starken Kopfschmerzen an den Monitor setzen und den Kopf noch mehr anstrengen? Nein!

Wenn die eigenen Fähigkeiten nicht ausreichen

Der Kunde ist von deiner bisherigen Arbeit begeistert und fragt dich, ob du dich nicht auch dem Projekt XY annehmen kannst. Du freust dich zwar über das Vertrauen, hast aber vom Thema absolut keine Ahnung? Dann ist ein Nein mit einer sachlichen Begründung absolut wichtig! In so einem Fall zahlt sich Ehrlichkeit immer aus und letztendlich bringt es dir nichts, wenn der Kunde dann am Ende mit deinem Ergebnis unzufrieden ist und sich in Zukunft einen anderen Freelancer sucht.


Wie sieht es bei dir aus? Kannst du Nein sagen oder gehörst du zu denen mit dem chronischen Ja-Sager-Syndrom, die ihre Antwort schon bereuen, kaum dass sie diese ausgesprochen haben? Und wann findest du ein Nein wichtig?


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Comments

  • Lila

    Danke für diesen tollen Post. Ich finde diese Tipps auch für Personen wertvoll, die nicht freiberuflich tätig sind. Viele nehmen das mit der ständigen Erreichbarkeit einfach zu ernst oder übernehmen sich, weil sie nicht den Mut haben, ihre Situation zu schildern.

    Ein Aspekt fehlt mir im Bericht: Immer mehr Personen finden es wichtig, sich an gesetzlichen Feiertagen zu melden. Auch wenn ich Zeit habe, schreibe ich an solchen Tagen grundsätzlich nicht zurück, weil ich niemandem den Eindruck geben möchte, dass ich ständig erreichbar bin und keine Freunde habe. Manchmal hilft es auch, E-Mails in den Entwurfsordner zu packen und irgendwann anders zu versenden. In den wenigsten E-Mails steht etwas absolut dringendes drin was hier jetzt und sofort bearbeitet werden muss.

    Reply to Lila
    • DieFreiberuflerin

      Danke dir für deine Worte! Mit den Feiertagen stimme ich dir zu. Auch am Wochenende habe ich mir abgewöhnt Kunden auf E-Mails zu antworten. Ich denke, dass die meisten Selbstständigen ohnehin zu stark zwischen privat und beruflichen hin und her switchen und beides immer so ein wenig parallel läuft – auch wenn es nicht richtig ist. Daher Danke für deine Ergänzung!!!

      Reply to DieFreiberuflerin

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